Politisch was Sinnvolles machen und gleichzeitig Sonne, Berge und Höhenluft genießen? Unmöglich? Nein, Mittenwald beweist das Gegenteil. Seit mittlerweile 50 Jahren lädt im Mai die Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher der Gebirgsjägerdivision zum „Gedenken an die gefallenen Kameraden“ und damit auch zu Protesten gegen diesen widerlichen, geschichtsrevisionistischen Militaristenspuk. Die frühere Wehrmachtsdivision der Gebirgsjäger ist für grausame Massaker an ZivilistInnen in Kommeno, Distomo und Kephallonia verantwortlich. Die heutige Bundeswehrabteilung macht mit Bildern lustiger Erlebnistouren in Afghanistan von sich reden.
Viele Täter von damals leben bis heute ein normales, ungestörtes Rentenleben. Doch die Proteste konnten in den letzten Jahren einige Erfolge für sich verbuchen. So wächst das mediale Interesse von Jahr zu Jahr und auch die Justiz scheint die alten Akten zumindest mal auszugraben:
Doch für den Kameradenkreis der Gebirgstruppe wird die Luft auf dem Hohen Brendten immer dünner, nicht nur weil die Wehrmachtsangehörigen wegsterben. Im November 2007 eröffnete der römische Militärstaatsanwalt Antonio Intelisano ein Ermittlungsverfahren wegen des Wehrmachtsmassakers 1943 an Tausenden italienischen Offizieren und Soldaten der italienischen Division “Acqui” auf der griechischen Insel Kephallonia. Ein Teilnehmer des Kameradentreffens, Josef Scheungraber, wurde 2006 vom Militärgericht in La Spezia in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Aktuell hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen Mordes gegen den in Ottobrunn bei München lebenden 89-jährigen Scheungraber erhoben. Als Befehlshaber war er für die grausame Ermordung von 14 Menschen im Juni 1944 in dem toskanischen Dorf Falzano di Cortona (bei Arezzo) verantwortlich. Seine Einheit hatte als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 15 Zivilisten in ein Bauerhaus gesperrt und es gesprengt. Alle im Haus bis auf einen 15-jährigen Jungen starben. Auch in diesem Jahr wird so manches „Lebenslang“ gegen Angehörige des Kameradenkreises wegen in Italien verübter Kriegsverbrechen gefällt. Trotzdem können die Mörder unterm Edelweiß in ihren Betten sterben, schließlich wurde bis heute kein Gebirgsjäger von einem deutschen Gericht verurteilt. (Aufruf 2008)
Genau deswegen sollen die Gebirgsjäger samt SympathisantInnen aus In- und Ausland auch dieses Jahr kein ruhiges Gedenken erleben. Egal, ob offizielle Bundeswehrvertretung oder CSU, nichts und niemand legitimiert ein „Gedenken“ an SS-Kriegsverbrecher und soldatische Tradition. Mord verjährt nicht –Verurteilung der Kriegsverbrecher – Entschädigung aller NS-Opfer! – Bundeswehr – wegtreten! Für Entnazifizierung und Entmilitarisierung Mittenwalds!
Geben wir ihnen den Rest! Nie wieder Gebirgsjäger in Mittenwald!
Weitere Infos: Mittenwald-Blog
1 Antwort auf “Sommer, Sonne, Kriegsverbrechen (Vol. VI)”