Archiv für Mai 2008

Das Problem heißt …

Ein Toter in Verona, mehrere pogromartige Ausschreitungen gegen Roma-Siedlungen in Neapel, Mailand und Rom, hunderte Festnahmen wegen „illegalen“ Aufenthalts nach landesweiten Razzien in den Vororten der Städte. Nun bemühen sich auch Fangruppierungen der Mailänder Fußballclubs mit einer Kampagne gegen Andrea Pirlo (Sinti), Zlatan Ibrahimovic und Sinisa Mihajlowic (Roma) um deren Rauswurf. Der Auslöser für diese Welle des Antiziganismus ist natürlich bei den Opfern selbst zu suchen. So wird in nahezu jeder Medienmeldung das lächerliche Gerücht, ein 16jähriges Mädchen aus einer Roma-Siedlung habe versucht, ein Baby zu stehlen (sic!), fast unhinterfragt übernommen. Die Berlusconi-Zeitung „Il Giornale“ titelte gar: „Die Zigeuner, die Kinder stehlen“ und bildet damit die Brücke zwischen mittelalterlicher Xenophobie und heutigem rassistischem Ressentiment. Die Rechte scheint sich in Italien sowohl auf der Straße, als auch im Parlament in gehörigem Aufwind zu befinden. Die rechtsextreme Lega Nord konnte ihren Stimmenanteil bei den Wahlen verdoppeln und stimmt sich nun zusammen mit der Berlusconi-Partei PdL auf Sofortmaßnahmen gegen „kriminelle“ MigrantInnen ein. Geplant ist die Erhebung der „illegalen Einwanderung“ auf Straftatsbestand, Lageraufenthalte und Massenabschiebungen von nicht-EU-MigrantInnen, die Aufhebung des Schengen-Abkommens zwischen Italien und Rumänien, Ausweisungen mittelloser Nicht-ItalienerInnen, sowie in Rom (wo mittlerweile ein ehemaliger Neonazi regiert) „umfangreiche Polizeigewalt für Stadtteilpolizisten, sofortige Ausweisung straffällig gewordener Migranten, sofortige Räumung aller nicht genehmigten Roma-Siedlun­gen“. Während „die Welt“ das Problem in einem italienischen Leitartikel erkannt zu haben glaubt:

Für die Übergriffe auf die Roma wie für den wieder aktuellen Müllnotstand in Neapel gibt es laut „Corriere della Sera“ einen gemeinsamen Grund: die Abwesenheit des Staates. „In Neapel kreuzen sich die Hauptprobleme dieses Landes“, schreibt der Autor des Leitartikels, „das endlose Süd-Problem und die unfähige Verwaltung“.

und damit mal so eben die rassistische Gewalt in Norditalien übersieht, erinnert das Muster der Pogrome gegen Minderheiten und der prompt darauf folgenden legislativen Beschwichtigung des „Volkszorns“ durch seine Anheizer an die Ereignisse 1992 in Deutschland. Rassistische Brandanschläge sind seither Alltag. Besonders seit März 2008, vielleicht verbunden mit dem medialen Interesse am Wohnhausbrand in Ludwigshafen, hört man fast wöchentlich von angezündeten Wohnhäusern, Imbissbuden oder Wohnprojekten. Der Hintergrund für diese Gewalttaten sind weder die „Abwesenheit des Staates“ oder „Mängel in der Gesetzeslage“, noch „fehlende Integration“ oder „Kindesentführung“. Damals wie heute, in der deutschen Provinz, wie in Neapel oder Rom:

Das Problem heißt Rassismus!!

Normalitätseuphorie (?)

Bald ist es soweit. Die Fußball-EM 08 steht vor der Tür und schon tauchen im Kopf wieder die Bilder aus dem Trauma-Sommer 06 auf, in dem man sich immer noch durch die fahnenübersähten Straßen und Plätze taumeln sieht, gefangen zwischen Selbstbeherrschung, Brechreiz und bisweilen tiefer Angst vor dem, was sich hinter dem weltoffenen, freudestrahlenden Schwarz-Rot-Geil-Kollektiv wohl noch so verbergen mochte. Nun steht drohend die EM 08 in der Schweiz und Österreich an. Grund genug, sich auf eine gehörige Überdosis Nation in Sport und Popkultur einzustellen. Dazu folgender Veranstaltungshinweis:Normalitätseuphorie-Tagung zur Kritik des Nationalismus in Sport und Popkultur .Bereits der Titel lädt zum Diskutieren ein. Ist der kollektive, emotionale Nationalismus, der den Deutschen so viel Spaß macht denn überhaupt Normalität? Wieso ist die Billigbiermarke 0,5 dann gerade jetzt – kurz vor der EM- in Schwarz-Rot-Gold zu bewundern und nicht schon immer? Wieso sind die Autofähnchen abgenommen und bestenfalls wieder mit dem Fuchsschwanz ersetzt worden? Eine mögliche Antwort gibt Lars Quadfasel im Buch Deutschlandwunder. Die vielbeschworene „Einheit“ der Fußballspieler, der Fans, der Musik im Meer der inhaltslosen, aber gemeinsamenen Emotionen beschreibt er in „Ein Traum von Postfaschismus“ als die „Einheit im Verfall“. Er hebt dabei die Punktualität des „Wir“ im Sommer 06 hervor, die nach seiner Annahme sämtliche Versuche der Bild-Zeitung, die Deutschen in plumper Manier zum nationalen Weitermachen zu animieren, im Sande verlaufen lies. Denn diese zogen einfach ihre Trikots aus und hatten vom Nationalismus Pause:

Ihren Urlaub verbringen sie nach wie vor lieber dort, wo es warm, als im Harz, wo es nass, kalt und heimelig ist; im Herbst feiern sie auch weiterhin Halloween statt Heldengedenktag; und als der Ausnahmezustand vorüber war, wurden auch wieder die Nachbarn wegen verbotenen Grillens angezeigt. Kein noch so verdrehtes Gefühl von Zusammengehörigkeit, kein geteilter Drang zu Beethoven, Mittelgebirge oder Ehrenamt schweißt das Kollektiv libidinös zusammen- sondern ein, im kritischen Wortsinne, spektakuläres Erlebnis […]

Ich halte es für eine spannende These, dass sich der Nationalismus im Rahmen eines spektakulären Erlebnis v.a. deshalb so weit entfaltet, weil er -im Bewusstsein der Feiernden- so „unpolitisch“ ist:

Die Fan-Volksgemeinschaft steht mit ihrer schwarz-rot-gold ausstaffierten Corporate Identity, in gewissem sinne wirklich jenseits jedes bestimmten, eingrenzbaren Inhalts- und dadurch erst allen offen […] Vielleicht lautet genau so der letzte denkbare Imperativ eines Patriotismus nach Auschwitz – nicht: liebe deine Nation (denn Liebe fordert Eingedenken); sondern, in libidinöser Unmittelbarkeit: Genieße die Nation. die Volksgemeinschaft, deren ökonomische Bindungskräfte schwinden, reorganisiert sich als Wohlfühlgemeinschaft.

Es bleibt die Frage, ob die Hervorhebung des libidinösen Charakters, der sicherlich gerade für die Breite dieser Wohlfühlgemeinschaft ein entscheidender Faktor war, nicht den gerichteten Nationalismus vernachlässigt. Ist eine solche Trennung überhaupt möglich? Waren es nicht die selben, die sich zum Halbfinaleinzug noch friedlich feiernd in den Armen lagen und kurz nach der Niederlage zu Angriffen auf Eisdielen, Pizzerias und Menschen mit blauen Trikots übergingen, nicht die selben, die ihre Kreativität mit Fanchoreographien und dreifarbigen Schminkexzessen im Stadion präsentierten und es kurz darauf mit rassistischen Fangesängen a la „Pizzalieferant“ zum Schwingen brachten? Ist es v.a die Abgrenzung und Feindschaft zum Außen, die aus jedeR „unpolitischen“ Freuden-WohlfühlpatriotIn eine ressentimentgeladene NationalistIN macht, oder ist diese Trennung ohnehin belanglos? Fragen über Fragen, die hoffentlich auf der Tagung einige Antworten finden.

Black is beautiful !

Blog zum Versammlungsrecht

Jippie

Lea erstrahlt im neuen Glanz und freut sich. Jetzt sehen auch diejenigen ohne den griech2 fontsatz den Header so, wie er von Anfang gedacht war. Gut so. Ne kleine Bildbearbeitung gibts gratis dazu.

Wer nicht feiert, hat verloren !

8. Mai, dieses Jahr in zweierlei Hinsicht ein besonderes Datum:


(gefunden bei Riotpropaganda)

Dank den Alliierten für die Befreiung vom Nationalsozialismus und die Beendigung des Holocaust!

&

Happy Birthday Israel !
(Unabhängigkeitstag nach dem jüdischen Kalender, am 14. nochmal Party für die GregorianerInnen)

Späte Würdigung

Ward jemals so Schönes über „die Nudel“ gesagt?

Wenn ja, will ich es gar nicht wissen.

Germanys next Top-Transpi (1)

Die erste ernstzunehmende Bewerbung für das beste Transpi 08, beobachtet auf der Antifa-Demo in Meschede am 26.04.08:

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>> Quelle: Antifa Sauerland