Clash of konstruierte Identitäten

Etwas verspätet: Zum Skandälchen der letztwöchigen jungle world halte ich folgenden Auszug aus dem Aufruf zu den Gegenaktivitäten gegen den „Anti-Islam-Kongress“ in Köln für angebracht:

Soziale Konflikte werden als »Kampf der Kulturen« gedeutet. Im Namen einer »multikulturellen Gesellschaft« wird eine staatliche »Fremdkulturalisierung«, wie im jüngsten Beispiel Schäubles Islamkonferenz zu sehen, vorangetrieben. Gleichzeitig zeichnet sich eine stärker werdende Eigenkulturalisierung in migrantischen Gemeinschaften ab. Innerhalb dieser Gemeinschaften ist der vorherrschende Trend der Identitätspolitiken weit weg von einem emanzipatorischen Anspruch im Sinne einer sozialen und rechtlichen Gleichstellung.

Stattdessen sind vermehrt rückschrittliche Autarkievorstellungen zu beobachten, die einen Rückfall hinter das bürgerliche Recht darstellen. Auch bei der »Islam-Debatte« ist der kulturalistische Rassismus die häufigste Folie für die Auseinandersetzung mit dem „Islam“. Die muslimische Bevölkerung wird nicht als durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägte Subjekte anerkannt, sondern trotz unterschiedlichster Migrationshintergründe, religiöser Zugehörigkeit (Schiit, Sunnit, Alevit, usw.), usw. als »die Moslems« konstruiert. [….]

Im Vergleich dazu konstruiert die neue Form des antimuslimischen Vorurteils gerade »das Fremde« als den Gegensatz zur bürgerlichen Gesellschaft. Der »Islam« gilt als das zu »Integrierende«, ja sonst womöglich »Terroristische«, gegen dass das Selbst in Form des »Westens« und seiner »Errungenschaften« in Stellung gebracht wird. So bieten jene Ressentiments selbst liberalen Kreisen Anknüpfungspunkte für eine offensive Forderung nach Ungleichbehandlung und Aberkennung bürgerlicher Rechte bei Muslimen. (Aufruf)

und zwar sowohl hierfür, wo eine „sorgfältige Sprache“ offensichtlich mehr als Mittel, als als Zweck verstanden wurde (weil: man darf ja nicht…. usw.), als auch hierfür (wo das eigene konstruierte Bild dem konstruierten Feindbild vorrauszugehen scheint?) , hierfür sowieso aber ganz sicher nicht zwangsläufig hierfür.

Erinnert mich alles übrigens an die Diskussion um dieses Video.


14 Antworten auf “Clash of konstruierte Identitäten”


  1. Gravatar Icon 1 Wendy 14. Juli 2008 um 15:58 Uhr

    Das geht völlig am Gegenstand vorbei, das ist dir doch klar, oder?
    Da weisen Leute auf Artikel der „jungle World“ hin, die ausschließlich mit rassistischen Klischees arbeiten und du zitierst jetzt hier einen – ausgesprochen dummen* – Text, der einem erklären will, wie die Konstruktion von eventuell reaktionären Eigenbildern angeblich in den migrantischen Communities geschieht. Was willst du damit sagen? Die „jungle World“ wollte eigentlich genau das gleiche wie der Auszug des Auszuges sagen? „Die wollten Autarkie-Vorstellungen“ kritisieren? Ich weiß nicht, ob du schon mal in Kreuzberg warst, aber die Kanacken dort fangen nicht an, Landwirtschaftszonen anzulegen und sich von der deutschen (sic!) Wirtschaft abzukoppeln…
    Selbst wenn: Eine Kritik daran geht völlig anders, als dieser rassistische Nonsens, den die „kinder Welt“-Redaktion da produziert hat.

    *Wenn der Rest des Aufrufs ähnlich scheiße ist, überlege ich mir nochmal, ob ich die ganze Sache auf meinem Blog bewerbe.

  2. Gravatar Icon 2 Wendy 14. Juli 2008 um 17:14 Uhr

    P.S.: Ihr solltet einen anderen Anonymisierungsservice nutzen, bei mir kommen ständig euere Links an…

  3. Gravatar Icon 3 lea 15. Juli 2008 um 12:20 Uhr

    Was willst du damit sagen? Die “jungle World” wollte eigentlich genau das gleiche wie der Auszug des Auszuges sagen? “Die wollten Autarkie-Vorstellungen” kritisieren?

    Ne, das glaub ich nicht. Naja, vielleicht auch, aber ich wollte nur mal zu bedenken geben, dass die „rassistischen Klischees“, die du anprangerst, auch als satirisch-überzogene Darstellung der Lebensverhältnisse eines -durch den geschriebenen Akzent offensichtlichen – Migranten samt seiner Familie gelesen werden können, aus denen dementsprechende Verhaltens- und Denkmuster (ebenfalls satirisch-überzeichnet) erst entstehen. Rassistisches Klischee lese ich darin erst, wenn ich mein eigenes Bild „des Türken“ darin rassistisch angegriffen sehe. Ich denke, das ist eine Frage der Lesart, obwohl der Artikel auch mich erstmal etwas befremdet hat.
    Im Gegensatz dazu laviert der Artikel über Homophobie in der türkischen Communitiy definitiv um ein rassistisches Vorurteil herum, und zwar vor allem deswegen, weil er Formulierungen, wie „die Türken“ bzw. „ein paar Türken haben…“ als legitim darstellt.

    Um die Autarkie-Vorstellungen gings mir in dem Auszug also gar nicht so sehr, als vielmehr um folgenden Satz:

    Die muslimische Bevölkerung wird nicht als durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägte Subjekte anerkannt, sondern trotz unterschiedlichster Migrationshintergründe, religiöser Zugehörigkeit (Schiit, Sunnit, Alevit, usw.), usw. als »die Moslems« konstruiert. [….]Im Vergleich dazu konstruiert die neue Form des antimuslimischen Vorurteils gerade »das Fremde« als den Gegensatz zur bürgerlichen Gesellschaft.

    und um die Tatsache, dass diese kulturalistische Konstruktion nicht nur von rechts geleistet werden kann, sondern auch -verteidigend- von links, wie die Aufregung um die „Elf Söhne“ zeigt.

  4. Gravatar Icon 4 lea 15. Juli 2008 um 12:21 Uhr

    PS: Kannst du da irgendwas empfehlen?

  5. Gravatar Icon 5 Wendy 15. Juli 2008 um 16:11 Uhr

    Wer hat denn da die kulturalistische Konstruktion von Eigenidentitäten verteidigt, du Idiotin?! Es haben sich alle über den rassistischen Artikel aufgeregt. Aber klar, das waren unsere eigenen Rassismen. Wie, wenn sich ein Schwarzer von Witzen wie „Was ist ein Neger auf der Rolltreppe?“ beleidigt fühlt oder jemand anderes das für rassistisch hält: Die eigenen Rassismen werden da bestätigt. Du bist so klug! Nein, doch nicht!

    Du solltest Politikerin werden: Die Kritiker_innen des Rassismus sehen nur den Rassismus im Artikel, weil sie ihn selber teilen, der Artikel ist nicht rassistisch, sondern die Kanacken, die er eigentlich „persifliert“… Großes Tennis.

    Nach deiner Rede könnte mensch genauso „Die Protokolle der Weisen von Zion“ als Satire begreifen. Wo du satirische Überhöhungen hernimmst, sehe ich nämlich nicht. Nur die Aneinanderreihung von rassistischen Klischees und Ressentiemts. Und das leisten „Die Weisen von Zion“ auch ganz gut.

    Außerdem: Best of Gegenstandswechsel. Es geht um den rassistischen Artikel und die Tatsache, dass dort eben nur Klischees und Ressentiments und keine Kritik oder Satire drin vorkommt und du kommst einem damit „Na, aber die Migranten sind aber auch rassistisch!“. Das ist genauso dumm, wie, wenn ein Türke von Nazis zusammengelatscht wird, zu rufen: Na, der ist aber vielleicht auch patriarchal, anti-kurdisch/whateva drauf!“. Als hätte das was mit der Motivation der Angreifer zu tun.

    P.S.: Ich sag dir keinen besseren Service, du bist mir nämlich grad hart unsympathisch.

  6. Gravatar Icon 6 lea 15. Juli 2008 um 18:03 Uhr

    Ich finds irgendwie müßig, mit Leuten zu diskutieren, die wie aus dem Nichts plötzlich in die Luft gehen, mich als „IdiotIn“, „dumm“ und „PolitikerIn“ denunzieren und das nur, weil sie mir Argumentationslinien in den Mund legen, die in der Diskussion gar nicht geäußert wurden:

    der Artikel ist nicht rassistisch, sondern die Kanacken, die er eigentlich “persifliert”… Großes Tennis.

    […]und du kommst einem damit “Na, aber die Migranten sind aber auch rassistisch!”.

    Wie bitte?? Wo hastn das gelesen? Best of Gegenstandswechsel vol.2 oder wie? Ich ahne es zwar, aber es is mir mittlerweile eher egal. Wie gesagt, ich finds grad echt müßig.

    P.S. Ich lass dich auch nicht mehr im Sandkasten mitspielen –

    aber ich mag dich trotzdem noch.

  7. Gravatar Icon 7 Laura 15. Juli 2008 um 20:20 Uhr

    und um die Tatsache, dass diese kulturalistische Konstruktion nicht nur von rechts geleistet werden kann, sondern auch -verteidigend- von links, wie die Aufregung um die “Elf Söhne” zeigt.

    wer? wo?

    (wo das eigene konstruierte Bild dem konstruierten Feindbild vorrauszugehen scheint?)

    perfides argument. damit kann man, wie wendy zu recht feststellt, alle kritik abwehren. beliebig.

    Ich denke, das ist eine Frage der Lesart, obwohl der Artikel auch mich erstmal etwas befremdet hat.

    aber jetzt hast du dich schon dran gewöhnt, dass man migrantInnen als homophobe schlägerInnen ecdt darstellt. alles klar.

  8. Gravatar Icon 8 lea 16. Juli 2008 um 10:04 Uhr

    perfides argument. damit kann man, wie wendy zu recht feststellt, alle kritik abwehren. beliebig.

    Das stimmt zwar, aber das war hier nicht meine Absicht. Ich denke nur, dass es wichtig ist, seine Verurteilungen in dieser Hinsicht zu reflektieren und nur das wollte ich zum Ausdruck bringen.

    aber jetzt hast du dich schon dran gewöhnt, dass man migrantInnen als homophobe schlägerInnen ecdt darstellt. alles klar.

    Wo nimmst du das denn her? Ich habe doch bereits dargelegt, dass ich dem Bozic-Artikel über Homophobie definitiv einen rassistischen Unterton attestieren würde, eben weil er erklärte Feindbilder wie „die Türken“ etc. aufbaut. Aber ich hab auch dargelegt, warum ich den Artikel „11 Söhne“ nicht zwangsläufig rassistisch lesen muss. Ich kann da nämlich sehr wohl gesellschaftskritische Elemente rauslesen, z.B. Probleme rassistischer Ausgrenzung, Probleme homosozialer Männergemeinschaften, Probleme familiärer Gewalt etc. die ein fiktiver Migrant hier in der Schilderung der Lebensrealität seiner Söhne wiedergibt (wie gesagt: krass überzeichnet). Ich frage mich z.B. auch, ob die Aufregung so groß gewesen wäre, wenn der fiktive Autor (was das soll, versteh ich auch nicht) nicht in so plumper Art und Weise einen Akzent imitiert hätte, dessen Nachahmung ich noch am ehesten als rassistischen Vorurteilen entspringend betrachten würde.

  9. Gravatar Icon 9 Wendy 16. Juli 2008 um 12:17 Uhr

    Aber sowas gehört doch kritisiert! Einfach diese Klischees aufzureihen ist keine Kritik!

    Oder meinst du, eine antisemitische Karikatur, die mit Klischees über orthodoxe Juden spielt, will eigentlich Religionskritik und antipatriarchale Kritik üben?

  10. Gravatar Icon 10 lea 17. Juli 2008 um 11:55 Uhr

    Nein, natürlich nicht. Aber es besteht ein Unterschied zwischen einer antisemitischen Karikatur und einem Artikel in einer antifaschistischen Wochenzeitung, bei der ich erstmal davon ausgehe, dass deren AutorInnen keine rassistische Hetzschrift verfassen wollten. Deswegen überlege ich mir doch erstmal: Was wird in dem Artikel (abgesehen von der Sprache) eigentlich dargestellt/ausgesagt? Und dann komm ich zum Ergebnis, dass hier auch die soziale Position von MigrantInnen (sowohl der 1. als auch 2. Generation) problematisiert wird und das Ganze wohl eher keiner rassistischen Intention entspringt (wie gesagt: den nachgeahmten Akzent halt ich schon für problematisch). Bei antisemitischen Karikaturen hab ich diese Überlegung gar nicht, weil diese ausschließlich zur Hetze produziert sind und deswegen darauf ausgerichtet sind, keinerlei Bedeutungsspielraum zuzulassen.

    Aber sowas gehört doch kritisiert! Einfach diese Klischees aufzureihen ist keine Kritik!

    Ja, absolut, da geh ich mit. Die Art und Weise dieses Artikels kann man kritisieren. Aber so eine Reflex-Skandalisierung a la „die jungle world, dieses rassistische Hetzblatt!“, ohne mal genauer auf den Gegenstand einzugehen, halt ich einfach für ungenügend.

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