Im Kochtopf lauert schon…

…die Reaktion. Wider der Regression im Kochen:

Anmerkung zur Physiologie der Kochkunst
Die Basis oder condition sine qua non jeden Wohlgeschmacks ist das Herausschmecken einer oder mehrerer bestimmter Substanzen aus der Mischung. Die echte Mischung muß nun so komponiert sein, daß von der einen oder auch den mehreren Substanzen, die überhaupt distinkt geschmeckt werden sollen, gleichsam nur die Geschmacksgipfel über die Schwelle des Totalgeschmacks hervorragen. Dieses auf die feinste Spitze des Geschmacks beschränkte Herausschmecken suchte die französische Kochkunst durch ihr „Supreme“ zu erreichen. Die deutschen Gerichte der Gegenwart aber sind so bereitet, daß der Totalgeschmack nicht schwebend über den Geschmacksgipfeln der singularen Substanzen sich hält (wobei dann „mächtiges Überraschen“ beim Wiederfinden“ eines bekannten Geschmacks in diesem Elysium stattfindet), sondern so, daß der Totalgeschmack unterhalb der Basis der singularen Geschmackspyramiden liegt, im Brei, im Mus, in der Tunke.
(Walter Benjamin, GS IV, 922)

Einzelnen Zutaten gerecht zu werden ist beim Kochen oftmals nicht einfach, nichtsdestoweniger aber die Vorraussetzung der Versöhnung von Geschmackserfahrung und Kochvernunft, die über das Bestehende hinausweisen könnte.