Archiv für Juli 2009

Maschinen stürmen oder Sozialvertrag?

Nachdem bereits am Montag die entlassenen Mitarbeiter_innen des Auto-Zulieferer-Betriebs das Werk New Fabris in Châtellerault besetzt, verkabelt und mit dessen Sprengung gedroht haben (Video), dachten sich die Beschäftigten von Nortel in Châteaufort und JLG in Tonneins am Donnerstag, dass diese Vorgehensweise wohl eine ganz gute Idee wäre und bereiteten auch ihre Fabrik auf eine eventuelle Sprengung vor. Forderten die Gefeuerten von New Fabris noch 30.000 Euro Abfindung, will man sich bei JLG unter 100.000 nicht zufrieden geben, das Ultimatum läuft bis Ende Juli. Renault hat sich wohl mittlerweile bereit erklärt einen Teil der Lagerbestände von New Fabris abzunehmen, wenn gewährleistet sei, dass das Geld als Abfindung an die Entlassenen fließt.
An dieser Stelle sei die Spiegel-Fotostrecke „Protestkultur in Frankreich: Geiseln, Bomben, Erpressung“ wärmstens empfohlen. Während die französischen Proteste in Deutschland als Vorstufe der gefürchteten sozialen Unruhen herbeizitiert werden, bringt eine Einschätzung eines französichen Genossen in der Wildcat die Problematik der Arbeitskämpfe auf den Punkt:

Das Problem liegt in der Strategie des Streiks: Man kann nicht einerseits »radikale Aktionen« versuchen und andererseits nach einem Boss rufen, der die Fabrik übernehmen soll, oder den Staat auffordern, Continental zu verstaatlichen….

Nebenverdienste offenlegen

Wut

Dem Pressesprecher der Polizei nach war es kein Problem, „dass wir nicht bewältigen könnten.“ Im Abschiebeknast im rheinischen Ingelheim kam es gestern zu einer Revolte von 21 Inhaftierten, die sich mit einem Marokkaner, der um 12.00 mittags abgeschoben werden sollte, solidarisierten. Die 22 Flüchtlinge verbarrikadierten sich in einem Zellenblock und führten zunächst Verhandlungen mit der Polizei, die bereits mit zwanzig Einsatzwägen und dem SEK vor Ort war, ebenso Feuerwehr und mehrere Krankenwagen. Als sich am Nachmittag zwei Personen bereit erklärten, nach draußen zu kommen, um direkte Verhandlungen zu führen, nutzte das SEK die Gelegenheit (die Tür war wohl offen und die Barrikaden kurzweilig abgebaut), um den Trakt durch die offene Tür zu stürmen. Einem Polizeisprecher zufolge gab es 5 Verletzte, zwei davon mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Kurz darauf fuhr das SEK vermummt ab. Vor dem Knast hatten sich etwa 50 Leute versammelt, denen während der ganzen Aktion außer dumm rumstehen aber keine Handlungsoptionen offen standen. Es gab keinerlei Kontakt zu den Leuten im Knast.

Gegen 20.30 wurde in Mainz eine Spontandemo organisiert, auf der ungefähr 100 Leute ihre Wut zum Ausdruck brachten. Erst am 6.6. hatte eine Demonstration gegen den Abschiebeknast Ingelheim und für globale Bewegungsfreiheit stattgefunden.

-no border, no nation-