Archiv der Kategorie 'Satirika'

Nachbarschaften

Wenn weder Mr. Hug noch die 100 Papphocker helfen können, gibt es im Falle eines Nachbarschaftsstreits ja immer noch RTL und dessen neuen Star am Doku-Soap-Himmel: Franz Obst, Anwalt und Mediator, der die verfeindeten Parteien binnen drei Tagen mit genialen Tests und Versöhnungsspielchen wieder zueinander führt. Sensationell aber sind im Gegensatz zum Format „Nachbarschaftsstreit“ eher die morphologischen Nachbarschaften des Herrn Obst, die auf eigentümliche Art und Weise einen gewissen französischen Sozialphilosophen und Nosferatu, den Karpatenvampir der 20er Jahre zueinander finden lassen:

Michel Foucault, Philosoph, Frankreich
Nosferatu, Vampir, Karpaten
Franz Obst, Streitschlichter, RTL

Der kommende Aufstand I

London. In der englischen Hauptstadt demonstrierten erneut Hunderttausende für den Sturz des englischen Regimes.
london
Die Aufständischen verfügen lediglich über wenige Handfeuerwaffen und veraltete Ausrüstung. Sie forderten die Regierungen der arabischen Liga und Tibets auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung militärisch in den Konflikt mit den britischen Despoten einzugreifen.

Verrat, Verrat!

Unsere Partei hat alle Probleme in der Revolution und beim Aufbau nach ihrer Ideologie und Überzeugung in eigener Verantwortung und nach dem Prinzip, aus eigener Kraft zu schaffen, im Einklang mit der Realität unseres Landes und mit den Interessen unserer Revolution auf unsere Art und Weise gelöst. Sie hat das Kriechertum, den Dogmatismus und alle anderen Ideen der Angewiesenheit auf fremde Kräfte rigoros bekämpft, jeden Druck und jede Einmischung von außen entschieden zurückgewiesen und unabhängig von bestehenden Theorien und Formeln, nur von der Warte der Interessen der Revolution aus, alles analysiert und beurteilt sowie sich nach ihrem Kredo und Entschluß mit eigener Kraft den Weg der komplizierten und harten koreanischen Revolution gebahnt. (Kim Jong Il)

Ach ja?


(Werbung für das Arbeiter- und Bauernparadies im Kaufhaus MyZeil)

Endlich Frühling I

Geometrie

Spiegel online:

Teheran – Irans Außenminister erklärte nach Angaben des Staatsfernsehens Irib, es gebe Anzeichen dafür, dass Israel und USA mit dem Mord an dem Atomwissenschaftler Massud Ali-Mohammadi in Teheran zu tun haben. Bei der ersten Untersuchung des Anschlags habe man Anzeichen dafür gefunden, dass das „Dreieck der Boshaftigkeit – das zionistische Regime, Amerika und ihre angeheuerten Agenten“ – hinter dem Terror-Akt stehen, so nach Angaben des Fernsehens ein Sprecher des iranischen Außenministers.

Nach der „Achse des Bösen“ gibt es jetzt also auch das „Dreieck der Boshaftigkeit“. Belässt es der Spiegel noch bei der zweifelhaften Übernahme antisemitischen Vokabulars des iranischen Außenministeriums, ist die Frankfurter Rundschau einen Schritt weiter:

Das Regime behauptet, der Aufstand sei vom Ausland geschürt. Fraglos haben gewisse Dienste aus den USA, Israel und anderen Ländern die Finger im Teig, und gewiss sind US-Sender eine wichtige Informationsquelle, die eben das mitteilt, was die Regime-Medien verschweigen. Doch die Wurzeln der Opposition sind iranisch……(FR, 27.12)

Aha. Gut, dass die FR weiß, wer da so alles „seine Finger im Teig“ hat. Quellen, Belege, geschweige denn Gründe sind unnötig; so was kann man ja auch einfach mal reinschreiben, tut dem eigenen Bauch und dem der Leser_innen gut.
Womit muss man als nächstes rechnen? Mit einem Zusammenschluss des Spiegels, der FR, Taz und junge Welt zum „Quadrat der Niederträchtigkeit“, zum „Viereck des Qualitätsjournalismus“ oder zum „Trapez des Antizionismus“?

Fundstücke I

Das Baden hat eine jahrtausende alte Geschichte. In Ägypten wurde gebadet, wie man nicht nur aus der kulturalistisch-rassistischen und dennoch als Kindheitserinnerung liebgewonnenen Kleopatra-Bade-Szene aus Asterix weiß. Auch in den minoischen Palastanlagen auf Kreta finden sich Wasserleitungssysteme und private Baderäume, die schon ca. 2500 v.Chr. zum relaxten Versinken im warmen Badewasser Anlass gaben. Trotz platonischer und spartanischer Kritik (Warmduscher und so) gab es um 400 v. Chr. in vielen griechischen Städten öffentliche Bäder, die sich später durch die Siedlungen auf dem italienischen Festland in Rom und dann im gesamten römischen Imperium verbreiteten. Nach einer dreckigen und ungewaschenen Phase des europäischen Mittelalters wurden die Bäder bei den Kreuzzügen wiederentdeckt und auch in Europa entstanden wieder Badestuben. Die neuzeitliche Entwicklung war von öffentlichen Seebädern, Kurbädern und allerlei anderem therapeutischem Baden geprägt, die der mit der Aufklärung wiederentdeckten Hygiene Rechnung zu tragen versuchten. Ging es bis dahin noch um Luxus, Hygiene und Gesundheit, so gewannen die Bäder mit der Industrialisierung auch als Beitrag zur Reproduktion der Arbeitskraft an Bedeutung und so eröffnete 1842 die erste öffentliche Wasch- und Badeanstalt für Arbeiter_innen in Liverpool. Etwa 12 Jahre später wurde die Idee in Deutschland aufgenommen und führte in mehreren Städten zur Eröffnung der völkischen Varianten des Arbeiter_innen-Bades, der Volksbäder. Noch vor 1900 wurden viele deutsche Volks-, See- und Kurbäder zu antisemitischen Experimentierfeldern. Hier wurde schon früh mit dem Bestreben geworben, das Wasser „judenrein“ zu halten:

„An Borkums Strand nur Deutschtum gilt, nur deutsch ist das Panier. Wir halten rein den Ehrenschild Germania für und für! Doch wer dir naht mit platten Füßen, mit Nasen krumm und Haaren kraus, der soll nicht deinen Strand genießen, der muß hinaus, der muß hinaus!“ (Borkumlied um 1897)

Im Nationalsozialismus war das Baden und Schwimmen fester Bestandteil des Kraft durch Freude Programms.
Dass das Baden in Deutschland bis heute wenig von seiner volksgemeinschaftlichen Konnotation abgelegt hat, dokumentiert die Broschüre „Winterbaden 2009″ der Bäder-Betriebe-Frankfurt, kurz BBF. Deren Geschäftsführer Otto Junk wendet sich in einem verzweifelt wirkenden Aufruf (man beachte das Photo) an die Öffentlichkeit (oder vielleicht auch nur an die Finanzstelle des städtischen Ressorts für öffentliche Infrastruktur), um einmal in Erinnerung zu rufen, wie wichtig das Baden eigentlich ist:

Zur Allgemeinbildung gehört es unbestritten, schwimmen zu können, und in den hessischen Schulen ist der Schwimmsport aus gutem Grund im Lehrplan des Schulunterrichtes fest verankert. Der BäderBetriebe Frankfurt GmbH (BBF) kommt als öffentlichem Badbetreiber zuvorderst die Pflicht zu, für ein angemessenes Schwimmstättenangebot in Frankfurt Sorge zu tragen. Mit unseren Bädern sind wir nicht zuletzt Anbieter so genannter meritorischer Güter. Wir halten also Angebote vor, die neben dem privaten Nutzen auch gesellschaftliche Nutzwerte aufzuweisen haben.

So weit, so fragwürdig. Nun wird erklärt, worin den nun der gesellschaftliche Nutzwert des Badens, und auf den scheint es Otto Junk ja anzukommen, bestünde:

Beispiel: Wer schwimmt, hält sich körperlich fit und dürfte leistungsfähiger und produktiver sein. Die Gemeinschaft erhält den Nutzen, dass geringere Kosten bei der Kranken- und gegebenenfalls bei Renten- und Arbeitslosenversicherung anfallen. Bäderbetriebe sind und bleiben somit ganz besonders geartete Wirtschaftsbetriebe, die auf dem schmalen Grat zwischen wirtschaftlicher Optimierung einerseits und der Erfüllung von Daseinsvorsorgeaufgaben andererseits ihren ganz spezifischen „Königsweg“ finden müssen. Jeder einzelne unserer werten Gäste hilft uns mit seinem persönlichen Beitrag, diesen Grat ein Stück breiter zu gestalten. Hierfür ist unseren Kunden zu danken.

Ist es nicht schön zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich um die „Erfüllung von Daseinsvorsorgeaufgaben“ kümmert und dem die Gesundheit des Volkskörpers ein Anliegen ist? Danke an Jotto Junk, der aus aktuellem Anlass vor allem eines in Erinnerung ruft: Never trust the krauts!

Wahlqual

Einem unendlich langweiligen Wahlkampf folgte ein noch langweiligerer Wahlabend. Bevor hier aber gar nichts zur Wahl erscheint, einige Kuriositäten der vergangenen Tage und Wochen:

- Die MLPD setzte auf den unaufhaltsamen Fortschritt der Produktivkräfte in der Kommunikationstechnologie und warb auf ihren Plakaten für die MLPD-Hotline (0209/9519432)

- Eine andere Kommunikationstechnologie sorgte für nette Flashmob-Aktionen in Hamburg und in Wuppertal: Und alle so: yeah!“

- Ein Direktkandidat der CSU bewarb sich für den absurdesten Wahlwerbespot 2009: Whuuuuuhh!

- Die Republikaner bewarben sich für den schlechtesten Wahlwerbespot 2009: „Politik ist nicht lustig“

- Und Guido Westerwelle bewirbt sich als Außenminister: „Es ist Deutschland hier.“

Und weiterhin gilt: Partizipieren, partizipieren!! …..und natürlich: don‘t eat from the Candytree!

Nebenverdienste offenlegen

In der Kürze….

Der Kampf für den Sozialstaat ist die Suppe, die Verteidigung der nationalen Souveränität der Pfeffer, der sie schmackhaft macht. Die richtige Dosierung zu finden, ist eine knifflige Sache in Deutschland – man darf das Ganze natürlich nicht verwürzen.

Elsässer kocht ohne Salz.

Vorgarten

Manchmal scheint die ganze bürgerliche Gesellschaft in einem Vorgarten kristallisiert: