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Bad Reichenhall

Dass in bayerischen und österreichischen Bergdörfern immer noch jährlich gespenstische Rituale der Gebirgsjäger und anderer Nazi-Veteran_innen im Verbund mit Dorfbewohner_innen, den örtlichen Pfaffen und CSU-Prominenz stattfinden ist hinlänglich bekannt. In Bad Reichenhall, der wahren Heimat der Wutbürger_innen will man nun dem Zahn der Zeit ein Schnippchen schlagen und schon jetzt Nachwuchsanwerbung für zukünftige Massaker betreiben:

Beim Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller General-Konrad-Kaserne hatte die Bundeswehr als „Kinderprogramm“ das Modell einer offensichtlich durch Krieg zerstörten Stadt aufgebaut. Ruinen und kleine Brandherde bestimmten die Szenerie. Zwei Bundeswehrsoldaten ließen unter einem Tarnnetz Kinder mit Waffennachbauten auf die Miniaturstadt schießen. Die Bundeswehr hatte ein Miniatur-Ortsschild für diese Stadt gebastelt: „Klein-Mitrovica“. […]Mitrovica war 1999 Schauplatz eines antiziganistischen Pogroms bei dem das gesamte Roma-Viertel des Ortes geplündert und zerstört wurde, ca. 2500 Häuser wurden dabei zerstört, 8000 Einwohner_innen vertrieben. Im Jahr 2004 fanden antiserbische Pogrome ihren Ausgang in Mitrovica, auch dabei wurden viele Häuser zerstört, viele Menschen wurden vertrieben und im gesamten Kosovo mehrere Dutzend Menschen getötet, alles übrigens in Anwesenheit der KFOR Truppen, zu denen auch die in Bad Reichenhall und anderen bayrischen Standorten, z.B. in Mittenwald, stationierten Gebirgsjäger gehörten. Doch wer glaubt, dass dies die einzigen zynischen Anspielungen gewesen sein die_der irrt: Mitrovica war während der Besatzung Jugoslawiens durch Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands und der italienischen Faschist_innen ab April 1943 Stützpunkt der 1.Gebirgs-Division der Wehrmacht, zu der auch Bad Reichenhaller Gebirgsjäger gehörten. Ihr vorrangiges Ziel war die Bekämpfung antifaschistischer Partisan_innen.
(RABATZ-Bündnis)

Unnötig zu erwähnen, dass die genannte Kaserne nach dem SS-General benannt ist, der das Pfingsttreffen der Gebirgsjäger in den 60er Jahren begründete.

…und dieses schicke Blau

Einige Impressionen vom Tag der offenen Tür der Frankfurter Polizei:
Wow, was war da nicht alles geboten. Blaskapelle, Zeugentest, In-den-Wasserwerfer-Setzen, ED-Behandlung, Schießstandbesichtigung, Betrunkenheitssimulator-Brille (ein Highlight übrigens), der komplette Fuhrpark, ein spektakuläres Showprogramm und jede Menge Bratwurst. Natürlich musste man damit rechnen, alle zehn Minuten kontrolliert zu werden, Zitat: „Wir haben Hinweise darauf, dass die Antifa das hier mit Flyern überrennen will“, bei der nächsten Ausweiskontrolle hieß es dann: „Wir haben Hinweise darauf, dass hier Antifa-Leute unterwegs sind und gezielt Photos von Kollegen macht.“ Mmmhh, ziemlich schlimme Sache, so ne Antifa…und dann auch noch im eigenen Gebäude. In letzter Zeit könnte man fast den Eindruck gewinnen, „die Antifa“ wäre noch vor der kroatischen Wettmafia, den Ultras oder den Drogenkartellen die gefährlichste Gruppierung in der Stadt. Naja, dann kann man auch mal willkürlich alle kontrollieren, die sich vielleicht einfach nur einen netten Tag der offenen Tür machen wollten. Das nächste Mal nehm ich Kinder mit, um in Ruhe gelassen zu werden.
Das Gebäude, das vor dem Hintergrund eines Bürgerkriegsszenario erdacht worden zu sein scheint (massive Festungsanlage auf einem Sockel, zentral, aber peripher genug, um als Rückzugs bzw. Nachschubstelle nah am Stadtzentrum genutzt zu werden) wurde in weiten Teilen mit Ständen und Attraktionen vollgestopft, in den Höfen gabs entweder Biergarten oder Showprogramm, bei dem es u.a. Europameister Polizeihauptkommissar Kraft mit seinem Motorrad zu bewundern gab, das Drill-Team der American High-School in Bamberg sowie Vebreschajagd und Kampfsimulationen des BFE. Die Abseilaktion des SEK wurde leider abgesagt. In der Werkstatt und anderen Räumen der Innenhöfe waren allerlei Absurditäten zu bewundern. Ich geh nächstes Jahr wieder hin.





Nachbarschaften

Wenn weder Mr. Hug noch die 100 Papphocker helfen können, gibt es im Falle eines Nachbarschaftsstreits ja immer noch RTL und dessen neuen Star am Doku-Soap-Himmel: Franz Obst, Anwalt und Mediator, der die verfeindeten Parteien binnen drei Tagen mit genialen Tests und Versöhnungsspielchen wieder zueinander führt. Sensationell aber sind im Gegensatz zum Format „Nachbarschaftsstreit“ eher die morphologischen Nachbarschaften des Herrn Obst, die auf eigentümliche Art und Weise einen gewissen französischen Sozialphilosophen und Nosferatu, den Karpatenvampir der 20er Jahre zueinander finden lassen:

Michel Foucault, Philosoph, Frankreich
Nosferatu, Vampir, Karpaten
Franz Obst, Streitschlichter, RTL

Aufklärung durch Wurst

Kant Salami

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner Haustür zum Netto nebenan.

Liebe Frankfurter Polizei….

für ein Skandälchen in der Bembel-Metropole mag’s ja noch reichen, aber im Vergleich zu richtigen Cops seid ihr ja so was von langweilig!

Ich wusste immer schon….

dass Recycling eine schlechte Idee ist.

Urlaub…

Bildet Netzwerke für eure Diaabende. (Peter Licht)

chiemmode

Der kommende Aufstand I

London. In der englischen Hauptstadt demonstrierten erneut Hunderttausende für den Sturz des englischen Regimes.
london
Die Aufständischen verfügen lediglich über wenige Handfeuerwaffen und veraltete Ausrüstung. Sie forderten die Regierungen der arabischen Liga und Tibets auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung militärisch in den Konflikt mit den britischen Despoten einzugreifen.

Verrat, Verrat!

Unsere Partei hat alle Probleme in der Revolution und beim Aufbau nach ihrer Ideologie und Überzeugung in eigener Verantwortung und nach dem Prinzip, aus eigener Kraft zu schaffen, im Einklang mit der Realität unseres Landes und mit den Interessen unserer Revolution auf unsere Art und Weise gelöst. Sie hat das Kriechertum, den Dogmatismus und alle anderen Ideen der Angewiesenheit auf fremde Kräfte rigoros bekämpft, jeden Druck und jede Einmischung von außen entschieden zurückgewiesen und unabhängig von bestehenden Theorien und Formeln, nur von der Warte der Interessen der Revolution aus, alles analysiert und beurteilt sowie sich nach ihrem Kredo und Entschluß mit eigener Kraft den Weg der komplizierten und harten koreanischen Revolution gebahnt. (Kim Jong Il)

Ach ja?


(Werbung für das Arbeiter- und Bauernparadies im Kaufhaus MyZeil)

Veranstaltungshinweis

Am 20. Mai beginnt eine Veranstaltungsreihe der Initiative Studierender am IG Farben Campus (zum Thema „Universität und Nationalsozialismus“. Aus der Einladung:

Nach langen Auseinandersetzungen ist ein Rahmen für die Erinnerung an die vielen Ermordeten und wenigen Überlebenden des von der IG Farben betriebenen KZ Buna/Monowitz auf dem IG Farben Campus entstanden, allerdings lässt sich nirgends ein Zeichen der nationalsozialistischen Vergangenheit der Goethe-Universität finden. Da die Universität schon seit dem Umzug 2001 proklamiert, das IG Farben-Gebäude zum „Palast des Geistes“ umzudeuten, und damit Universität und Bildung unvermittelt als Bruch und in Gegensatz zur nationalsozialistischer Vergangenheit stellt, soll in der Veranstaltungsreihe gerade auf das Scheitern von Kultur im Nationalsozialismus reflektiert werden. Das wird an der Institution der Universität selbst deutlich, hat sich diese doch vom „undeutschen Geiste“, Lehrenden und Studierenden reinigen und in die antisemitische Volksgemeinschaft integrieren lassen – sei es mit geisteswissenschaftlicher Ideologieproduktion, naturwissenschaftlicher Rassenlehre oder Kampfstoffforschung. Mit der Veranstaltungsreihe soll auf diese Lücke hingewiesen und versucht werden, sie inhaltlich zu füllen. Dazu sind sowohl Lehrende als auch Studierende aus Frankfurt, wie auch bundesweit, eingeladen worden, um die Diskussion in der Öffentlichkeit anzuregen.

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